Eine Analyse der US-Wahl in 5 Akten

1. Der Wähler hat immer Recht und bekommt auch nun jene Führung, die er verdient. Es ist daher durchaus stimmig, dass der von jeglicher Intellektualität befreite Polit-Clown Donald Trump nun auch jene Nation anführt, deren kulturelle Prägung in einem Atemzug mit Homer Simpson genannt wird. Mit dem ehemaligen Nacktmodell Melanija Knavs als neue First Lady der Vereinigten Staaten bekommt die Atommacht der unbegrenzten Freiheit auch ein sehr hübsches Sahnehäubchen, gleichsam die Krönung ihrer demokratischen Reife.

2. Es ist den Demokraten und hier insbesondere Bernie Sanders zu verdanken, dass Hillary Clinton bereits vor Monaten sturmreif geschossen wurde. Ja, sie mag ein Teil des verhassten Systems gewesen sein, sie mag auch als Täterin des Establishments gesehen werden aber gerade sie mit ihrer politischen Erfahrung wurde unter ihrem Wert – übrigens von den eigenen Demokraten – geschlagen.

3. Wir leben in einer eigenartigen Zeit. Frei nach dem Motto „wenn es dem Bären zu gut geht, geht er auf das Eis tanzen“ befinden wir uns in einem Zeitalter des Um- oder auch Einbruchs. Je komplizierter die Welt und die Zusammenhänge unserer Nationen werden, je größer die vor uns liegenden Aufgaben sind, umso einfachere Antworten werden von noch dümmeren Menschen erwartet. Je größer der einzelne Wohlstand und der globale Frieden sind, umso größer wird der Hass gegen die sogenannten Eliten. Es gab eine Zeit, da hob man den Besten auf das Schild. Heute hebt man einen auf das Schild, dessen einzige Daseinsberechtigung von der argumentativen Schwäche der Anderen abhängt.

4. Besonders erschütternd mitanzusehen ist aber nicht der Wahlgewinn von Trump – dieser war irgendwie vorhersehbar – sondern die Überraschung heimischer Politiker darüber. Wie schwach sind unsere Eliten mittlerweile geworden, dass sie das feine Sensorium für Entwicklungen innerhalb der Bevölkerung gänzlich verloren haben?

5. Natürlich wird die US-Wahl auch auf Europa Auswirkungen haben. Immerhin sitzt im Oval Office in Zukunft ein Mann, der in seiner Unberechenbarkeit und aus der Emotion heraus, die Welt in noch größeres Chaos stürzen kann. Statt Besonnenheit regiert Aggression, statt rhetorischer Abrüstung regiert die Wut, statt Intellekt regiert der Instinkt. Man kann daher nur hoffen, dass Gott jenem Mann dem er ein Amt schenkt auch die Vernunft mitgibt. Denn, die Hoffnung stirbt zuletzt.

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