Abschiedsworte an den Wiener Bürgermeister Michael Häupl

Herr Bürgermeister Häupl,
nur noch wenige Tage sind Sie im Amt und beenden damit im Wonnemonat Mai eine jahrzehntelange politische Karriere. Als strammer Burschenschafter gestartet, haben Sie dann doch recht rasch das lückenlose und bequeme Versorgungsnetz des Sozialismus für sich entdeckt. Die ideologische Wandlungsfähigkeit lasse ich einmal so dahingestellt. Wie heißt es so schön: das Hemd ist einem dann doch näher als der Rock. Aber Dank Ihrer zumindest ideologischen Flexibilität standen Sie 24 Jahre an der Spitze des sogenannten roten Wien und verinnerlichten dabei auch optisch die Machtfülle des Amtes. Im Stile Ludwig des XIV – mon dieu nicht Ihr Amtsnachfolger – formulierten Sie Kraft Ihrer Handlungen ganz pragmatisch „die Stadt bin ich“ und betrachteten diese Stadt als Ihr Eigentum. Und ja, es stimmt: Wien ist nach wie vor die letzte Bastion des allumfassenden sozialistischen, eines totalitären Herrschaftsanspruchs. Wien ist ein demokratiepolitischer Sanierungsfall. Keine Wohnung, die nicht parteipolitisch abseits jeder Notwendigkeit vergeben wurde. Kein Job, der nicht parteipolitisch abseits jeder Qualifikation vergeben wurde. Keine Förderung, die nicht den roten Sumpf zum Blühen brachte. Ja, mit Brachialgewalt haben Sie und Ihre SPÖ unsere Bundeshauptstadt in Geiselhaft einer Partei gehalten. Und wenn der Wählerwille brüchig wurde, haben Sie die Wähler einfach ausgetauscht. Und wie Sie Ihre Absolute versemmelten, haben Sie sich einfach die Kryptokommunisten, also die GrünInnen, als Erfüllungsgehilfen Ihrer Geschäftemachereien ins Boot geholt. Jede Kritik an Ihnen und Ihrer Partei wurde als Majestätsbeleidigung aufgefasst, mit der ewigen Rache der Genossen versehen.
Ein Kompliment möchte ich Ihnen aber machen: Im Gegensatz zu den blutleeren Gestalten in der SPÖ, im Gegensatz zu den übertrainierten Marionetten ohne Inhalt und Geist, sind Sie zumindest ein authentischer und leidenschaftlicher Politiker mit Ecken und Kanten gewesen. Ich teilte Ihre politische Überzeugung nicht, ich kritisierte Ihre politischen Handlungen. Gleichzeitig respektiere ich aber, dass Sie einer der wenigen letzten Politiker der alten Garde waren, die ein gewisses Sendungsbewusstsein ausstrahlten. Und so wünsche ich Ihnen alles Gute in der Pension, genießen Sie die Toskana. Ps.: Möge der Spritzwein ewig fließen.

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