Der letzte Kommentar zur Bundespräsidentenwahl 2016

Nein, ich gehöre nicht zu den Besserwissern, die nach der Wahl allen Ernstes behaupten, das Ergebnis vorhergesagt zu haben. Und ja, auch ich habe mir bereits Sonntags Mittag die ersten Informationen über Trends mitteilen lassen und nicht noch rechtzeitig meine „Prognose“ ins Netz gestellt. Also: ich war von dem Ergebnis dann doch überrascht zumal ich geglaubt habe, dass Norbert Hofer diese Wahl gewinnen wird. Wie sagt das Sprichwort: es kommt immer anders als man denkt. Und so ist der Wahltag zu Ende, Österreich hat mit Alexander Van der Bellen ein neues Staatsoberhaupt und alle sind gut beraten, der Person und damit dem höchsten Staatsamt den notwendigen Respekt zu erweisen. Der Spielraum des Bundespräsidenten ist kein großer, dennoch gehört das Amt und damit die Person zu den Symbolen unseres Staates. Und von gerade jenen, die Heimatbewusstsein einfordern, ist auch heute die Anerkennung des Ergebnisses zu fordern. Ohne Wenn und Aber – auch wenn es noch so schmerzhaft erscheinen möge.

Aber nun zur Analyse, die sich ja treffender posthum schreiben lässt. Van der Bellen hat seinen Erfolg zu einem sehr großen Teil der Verhinderung Nobert Hofers zu verdanken. Die parteiübergreifende Angstallianz gegen Hofer hat ihre Wirkung gezeigt. Nicht zu vergessen ist auch die Tatsache, dass jener, der Neuwahlen – in diesem Fall eine Wahlwiederholung – vom Zaun bricht, noch immer in der demokratischen Geschichte den Kürzeren zog. Die jüngst noch in Österreich eingetroffenen „guten Wünsche“ und Prognosen eines Nigel Farage haben zusätzliche Angst vor einem Öxit verursacht. Die FPÖ kann sich bei ihren „internationalen Freunden“ herzlich bedanken und sollte sich bei der Gelegenheit immer in Erinnerung rufen: „Wer sich mit Farage und Le Pen ins Bett legt, wacht mit Flöhen und einem Kater wieder auf“. Nicht zu vergessen sind die abstrusen Vorwürfe, Van der Bellens Vater wäre ein Nazi gewesen. Mit dieser Mär gibt man die durchaus berechtigte Kritik an Van der Bellen der Lächerlichkeit preis. Aus meiner Sicht hat der Wahltermin am zweiten Adventsonntag den Freunden Van der Bellens zusätzlich in die Hand gespielt. Ja, wir befinden uns mittlerweile in der ruhigen und entschleunigten Zeit und die Menschen sehnen sich nach Stabilität und Sicherheit. Norbert Hofer wäre zweifelsohne ein – aus meiner Sicht gutes – Experiment an der Spitze des Staates geworden, Experimente lehnen die Menschen vor Weihnachten aber grundsätzlich ab. Kommen wir zum Ende: Der Irrglaube, dass Hofer-Wähler gleichsam auch FPÖ-Wähler werden, kann ich allein an meinem Beispiel – zumindest vorerst – zurückweisen. Und am Irrglauben, dass alle Van der Bellen-Wähler nunmehr glühende Anhänger des künftigen Bundespräsidenten werden, wird der neue Amtsinhaber noch zu knabbern haben. Zum Schluss: Möge sich Van der Bellen ein Beispiel am großen österreichischen Bundespräsidenten Rudolf Kirchschläger nehmen!

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