Der Straßenkampf der Gewerkschaften gegen die Regierung.

Die Trillerpfeifen werden wieder aufpoliert, Kammer- und Gewerkschaftsbonzen tauschen ihre viel zu engen Anzüge gegen die ausgemottete Kampfmontur der Werktätigen. Just zum 200. Geburtstag von Karl Marx wird in Wien wieder der Klassenkampf ausgerufen. Nur der heldenhafte Idealismus hat die letzten Jahre wohl einige Kratzer abbekommen. Einst zogen die tapferen Sozis noch für ein paar Wurstsemmeln und ein Bier – im Wiener Jargon auch 16’er Blech genannt – aus, heute löhnt die Gewerkschaft manchen Teilnehmern ein Wellness-Weekend in der Bundeshauptstadt, im noblen 4-Sterne Hotel natürlich, auf Regimentskosten selbstverständlich. Warum die üppigen Finanzmittel nach der BAWAG-Pleite wieder sprudeln, bleibt unbeantwortet, denn über Euros spricht man nicht. Aber egal, denn was Lacoste die Welt, Geld spielt bei den Alt-68ern keine Rolex, solange die einfachen Mitglieder brav ihren Zehent abliefern. Aber zurück zum Geschehen: Da treffen sie sich dann die Gewerkschaftsfunktionäre zu ihrem letzten Gefecht am Frühstücksbuffet, bevor es dann mit den Trümmerfrauen des gescheiterten Sozialismus, mit den Kriegerdenkmälern der verblichenen GrünInnen – auch „Omas gegen Rechts“ genannt – zur großen Demo geht. Auf jedem Kopf zu finden: Die selbstgestrickten Hauben im Stile einer Jakobinermütze für Schmalspur-Revolutionäre. Mein Bedauern gilt den armen Enkeln, denen die egoistischen Omas das Pudelmützchen geklaut haben um den langersehnten zweiten Frühling zu erleben. Und inmitten des Gekreisches der Widerstandslieder: Christian Kern. Jener ehemalige ÖBB-Generaldirektor, für den der 12-Stunden-Tag seiner einfachen Arbeitnehmer nur gut und recht war. Jener Bundeskanzler, der in seinem Plan A den 12-Stunden-Tag zur zentralen Forderung erhob. Jener SPÖ-Vorsitzender, der sich wie einst Waldheim an nichts mehr erinnern kann. Gut, die Erinnerungslücken teilt er sich wiederum mit den „Omas gegen Rechts“, deren Engagement bei den Raubzügen sozialistischer Bundesregierungen sich im Lösen unzähliger Kreuzworträtsel erschöpfte.
Liebe GenossInnen: Ja, eine starke Demokratie braucht eine starke Opposition und der Ort dieser Auseinandersetzung ist nicht die Straße sondern das Parlament. Denn die größte Gefahr ist es, wenn man selbst zur klischeehaften Karikatur wird, wenn man sich der Lächerlichkeit Preis gibt, anstatt glaubhaft und glaubwürdig die Sorgen der Mitmenschen zu artikulieren. Pudelmützchen, ein Christian Kern und statisch wohlbeleibte Gewerkschaftsbonzen helfen dabei nicht!

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